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nua ka schmoez ned

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„kephalopoden lauern am teich“ lesung am 26.11.2005 anläßlich der kalender-präsentation von klaus harth und sabine graf in saarbrücken ___________________________________________________________
morgens früh wenn der große zeh noch im Skagerrak leuchtet und Linné fast zögernd im röhricht die rohrweihe aufscheucht rufe ich Jacques-Louis
er malt mir eine schulter nicht bewegen! so bleiben! so ist prima!
am ende des tages besteige ich eine leiter der große St. Bernhard liegt vor mir [121005] ___________________________________________________________
wie der wind des zufalls haucht mit jeder fernen steppe staub mich schminkend schneuzen häufig sich die kinder in dargereichte tücher
tausendsassa hüpft durch eine lache steckt sich eine amsel an den hut in die tüten schiebt er nachtigallen
schubert braust um eine ecke verdi wird gefangen und erfindet einen chor
ungerufen hebt ein pfau die augen fächelt luft den damen, die gelangweilt sind bäume gehn am waldesrand vorüber tauchen ab in schwärze
noch klopft der specht und sucht in seinem forste das kaum begonnene profil
hui! der wind hebt leicht die hüte wehe denen, die jetzt kopflos sind [091005] ___________________________________________________________
nur noch 72 stunden um den mörder zu finden der mit meiner eigenen waffe in irgendeinem hotelzimmer sitzt
hinter jeder türe bleckt er sein schiefes gebiß in dunkler nacht tickt grüner quarz
ich springe über häuserschluchten laufe die wände hoch hänge mich an glitzernde lüster fasse mir an die hutkrempe haltlos
die zeit leuchtet in roten zahlen hinterläßt schwelende brände
kaschemmen schlittern über regennasse straßen augenpaare zwinkern in einem abgesprochenen rhythmus
schon läßt der gangster ein te deum singen Domingo umarmend in fiebriger extase
es ist jetzt zeit auf wiedersehn zu sagen raunt der blinde sänger und sammelt geld mit meinem hut [141005] ___________________________________________________________
sie tanzt für mich in meinem garten sie setzt den fuß ganz leicht hab acht! hab acht! kephalopoden lauern am teich
tau benetzt noch grünes gras morgendliche schleier fallen die sonne brennt mit schwachem glas der khan, er zögert noch im osten
sie webt mit schlanken fingern ihr filigranes netz hahnenfüße gehen stracks durchs farn
der rumpf, er brütet noch im nest
sie tanzt in meinem garten
und bringt auf einem silbernen tablett mir meinen kopf [091005] ___________________________________________________________
heute suchte eine krähe ihr längst verlaß'nes haus doch alles, was sie fand war ein aquarium in dem sich ein paar fische blähten denen hackte sie die augen aus und schenkte sie dem kasper der band sie seiner gretel um die tags darauf des königs haupt auf einen esel setzte der esel konnte plötzlich sprechen da trieb man ihm durchs herze einen pflock prompt gingen an die gaslaternen und lady winter sah im park zwei leichtmatrosen die obszöne gesten machten
der schutzmann tanzte mit den kindern ringelrei das rumpelstilz in ihrer mitte zog so lang fratzen bis man auf allen tannenspitzen es deutlich blitzen sah [081005] ___________________________________________________________
hoch und frank frei steh ich hier bin die figur am bug nemo geht inkognito an land und frönt der liebe laster
hieronymus in seiner klause blickt hin zum leeren schädel die schreibhand baumelt lose er ist befreit von seiner pose
dunkel die violen geigen und die orgel brummt in vielen tausend faden tiefen ein barpiano taucht ganz unvermittelt auf und klimpert etwas
„hello“ – „goodbye“ so klingt es in den gassen durch die sich eine riesenkrake schiebt sie sucht ihr lebenselexier schon fliehen alle katzen und machen grau die nacht
ich bin die figur am bug ich bin Tam O'Shanter ich sah die hexen nachts auf einem kirchhof tanzen in einem hellen blitz erblickte ich die eine die ihre hüften schwang wie keine sie trug ein kurzes hemd „bravo“ rief ich hingerissen schon kam die schöne zauberin und griff nach meinem haar sie hat verwandelt mich in einen aar
ich bin die figur am bug mein auge schreckt den feind schon viele nahm der ozean in seine tiefen ___________________________________________________________
schüsse fallen im weinberg die braue des kommissars verrät nichts über den flug der vögel nach süden wanderer schmuggeln kiebitze im rucksack und hoffen auf einen milden november ein mofa erfindet seine mechanik neu imitiert bellende hunde das orchestrion im örtlichen hotel paraphrasiert wellingtons sieg eine frau schießt mit dem karabiner auf farbbeutel mit denen sie vorher die jacke ihres mannes präpariert hatte der kommissar verzichtet auf eine anzeige [241005] ___________________________________________________________
auf dem weg zum garten traf ich die beiden liebenden sie verdrehten einander die augen, um sich kurzweil zu verschaffen das grelle licht der mittäglichen sonne löste eine scharfe kontur ab durch die ich freundlich grüßend schritt ein gärtner bestäubte mich mit zartem regen ein anderer folgte meinem tritt und tirillierte wie ein vögelein hemden zogen flatternd durch die lüfte röcke hoben sich nur kurz haar verfing sich in den büschen hinter einer kuppe wuchsen wimpern doch kein auge wollte sich mir öffnen hände zögerten, schon fast im sprung
weiter zog ich meine kreise bis der abend kam
eine rauchwolke verdeckt jetzt die spitze des chinesischen turms [191005] h. c. gewidmet ___________________________________________________________
immer, wenn ich dich anseh' immer, wenn du um mich bist hängen die oboen tiefer haben meine lippen lieder zucken bald die glieder weil ich tanzen möcht‘
wenn ich dich anseh' schweben silberhelle fische über stadt und straßen geben hie und da ein echo das sich in bunten bögen über dach und dächer spannt
wenn endlich deine hand mich um den nacken faßt wird aus dem hund ein könig
geigen klingen nicht mehr perkussiv die trompeten in den bäumen stülpen ihre münder auf und formen eine weise die erst ganz fern in wind und steppe an der schulter eines löwen ihren klang verhaucht [221005] ___________________________________________________________
mongolische kuh sauerjoghurt super girls stillstand auf den bürgersteigen heroische athleten-paare demonstrieren für eine lichte zukunft der nachsommer weckt noch hoffnungen die stars sind wieder auf erlösertour die erwartung gipfelt im schrei unisono macht frei zungenküsse auf der bühne es geht immer noch um liebe i love you ein blanker hintern liefert den beweis was zählt ist die ausstrahlung
lippenbekenntnisse: jeder legt jedem etwas in den mund die meisten sind sich selbst fremd das soll ich gesagt haben? absolution erlangt nur, wer öffentlich beichtet die rampe als fegefeuer tränen mischen sich mit schweiß alles wird am ende weiß
wer lange genug eine rolle spielt bleibt ihr am ende verpflichtet
die asche von chefingenieur scotty steigt mit einer rakete ins all von dort wird er wiederkommen zu richten die lebenden und die toten [161005]
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